EIN ECHO HALLT NACH

Jason Krüger / Ekvidi Photgraphy.

Wir haben heiße Tage hinter uns. Das Crowdfunding hat uns medial ausgefüllt. Egal wieviel Spaß Social Media auch machen kann, ein Retreat war notwendig. Aus den Highlands Portugals zurück, wo es zu meiner Freude kaum Netz gab, stand dem Digital Detox nichts entgegen.
I love it: Es gibt einen Haufen echte Leute, Tiere, Pflanzen, Dinge und Feinstoffliches kennenzulernen auf der Welt. Alles bereichernder Stuff. Und dann haben wir dank euch Startnext gepackt! Herrlich!

Hibiskus in Biniaraix. Nicole Landkammer.

STERBEN

Ich habe etwas gelernt in den letzten Jahren: die Flagge hoch zu halten für die Realness, fürs authenthisch sein. Für meine Stärken in den Schwächen. Bin interessiert am Leben und kam zum Tod. Da war ad hoc soviel Tod um mich, Interesse am Tod und Angst. Angst davor nicht alles gegeben zu haben, alles erlebt zu haben, nie gelernt zu haben Dinge gesund zu beenden, meine Eltern, Freunde zu verlieren, allein zu bleiben, nicht mehr wach zu sein, Schmerzen zu haben etc. Seit drei Jahren solcher Gedanken, viel Recherche und gerichteter Wahrnehmung, fand ich einen passenden Kurs zur Ausbildung als ehrenamtlicher Sterbebegleiter. Darf ich Sterbenden die Präsenz schenken, die unsere Gesellschaft oft nicht sieht und verdrängt?

Ich fand mich wieder in einer Truppe von Weirdos und einer Koordinatorin die mich mit ihrer Lebendigkeit infizierte. Wir begannen unsere kleine „Gruppentherapie durchsetzt von weltlichen Themen. Währendessen  besuche ich gerade einen alten Thüringer Herren in Rahmen eines Praktikums. Die Episode endet rüh als ich der Heimleitung begegne…Feuer und Eis. Christlicher Träger.  Weil ich Shirt und Shorts trug, wurde ich am folgenden Tag durch sie vom Kurs entbunden. Kurz vorm Abschluss. Ohne Gespräche, Kompromisse und Einsatz. Als non-konfessionell gewachsene Frau wurde ich noch nie so diskriminiert. Mein Herz war gebrochen.

Hibiskus in San Diego. Leyli Ahmadizenoz.

LIVE AND LET DIE

Der Fokus auf das Album half: Ich und Richard haben den See geschwänzt und Details vom Kopf aufs Papier phantasiert, Bits und Pieces gesammelt, Fragmente vertieft. Mit der Vision eines selbstbestimmten Albums unter dem Herzen. Dazwischen etliche Meilen auf den Highways des Landes abgerissen, denn ohne live zu spielen zieht unser Jahr nicht vorbei: Letztens saß eine Frau im Publikum und ich glaube ihr Augenlicht war kaum vorhanden. Durch ihre geschlossenen Lider konnte ich beim Singen ihr Mimenspiel lesen und es wirkte als tränke sie jede Silbe. Das hat mich sehr gerührt.

Unmittelbar danach werde ich mit Richard und Boe Van Berg geladen dem Wunsch eines Sterbenden Musikliebhabers zu entsprechen. Sein Hospizfest zu besingen. Das haben wir getan. Es war heftig, bereichernd und braucht nicht viele Worte.  Nur einen Gedanken: einige Erlebnisse der letzten Monde wurden konsequenzenreich in Perspektive gerückt:

Hibiskus Neukölln. Mutter.

Ich liebe das Duo und kann nicht erklären wie es sich anfühlt, alles in so eine Produktion zu investieren. Ich lasse das Rauchen erstmal weg und habe vergessen wie lange schon. Ich bin stolz und gespannt ob man das hören kann, denn ich kenne mich nur als Genuß-Raucherin und für die Nerds lunare Einatmerin. (Heisst, wenn ich singe hole ich meine Energie aus dem Prozess des Einatmens statt dem landläufig-gängigen Ausatmens.) Das macht mich stolz.

So ein Album produziert man alle paar Jahre. Unsere Ideen bekommen Form und Farbe wie die Neu-Inszenierung eines Theaterstückes. Jetzt puzzeln wir im Mixing zusammen was mir richtig am Herzen liegt. Ich und Richard bilden unsere Ästhetik ab. Künstlerische Entscheidungen schießen uns mittlerweile zeitgleich im selben Wortlaut aus dem Mund. Das ergibt eine schöne Wellenlänge und wir lachen uns kaputt.

Ich bin erschöpft und voll von Vibe. Das ist mein Lebenselixir. Es tut so gut zu spüren, wie sehr ich Musik liebe und durch soviele Supporter ausdrücken darf.. wieviel Kraft ich haben kann und was für tolle Freunde, die am letzten Studiotag mit ihrer eigenen Handschrift unsere Vision erhellen, wir haben. Währendessen ist der Musikliebhaber gestorben, wir schicken seinen Liebsten Mitgefühl. Kein Beileid – weder fühle ich mich „bei“ noch „leidend“. Eher mitten drin, voll von Gefühl.

FOKUS

Richard und ich reisen jetzt in Europa rum und unterstützen Leute die Musik machen. Gleichzeitg feilen wir am Artwork. Dann ziehen wir los um einen Verlag oder ein Label zu finden. Videos sollen geshootet werden, damit ihr was zum gucken kriegt. Gut Ding will Weile haben..wer hat das gesagt? Wem das nicht reicht: Strom verbannen mit Fokus auf den Ohren und Herzen. Der Sand rinnt durch unsere Finger. Also geniesst den Sommer und liebt.  Aktuellstes von uns findet ihr auf Instagram.

Enchanté Marie Antoinette.

 

PS/ Alle abgebildeten Blüten erreichten mich unabhängig voneinander an einem Tag. Die meiner Mutter trägt eine Geschichte. Die erzähle ich das nächste Mal. . .

STIMME AUS DEM NIEMANDSLAND

TOURNEE 'Edition Süd' & STARTNEXT

Unsere Musik erlaubt mir zu reisen. Die Menschen, neue Orte entdecken und unsere Musik zu spreaden. Gleich sind wir auf Konzertreise Franken und Bayern. Termine findet ihr hier. Schickt eure Freunde und Schwiegermütter vorbei, wir besorgen den Rest!

Prachtwerk Neukølln, Februar 2018.
Foto: JANDA

Dieses Jahr steht unter einem ganz besonderen Stern. Wir schrauben an unserer Vision von einem schmucken Album. Also Aufnahmen in einem Studio machen, diese mixen damit es auch schick klingt. Dazu Fotos schießen und in ein Artwork nach unserer Façon hinbauen. Weil das sehr kostspielig ist und wir dies als freischaffende Künstler nicht finanzieren können, starten wir die Crowdfunding-Kampagne CØPENIKK des anstehenden Albums ab jetzt auf STARTNEXT. Unterstützt Das würde mich unfassbar glücklich machen.

Kalbe am Kamin

Seit wenigen Tagen befinde ich mich mit Richard in Kalbe an der Milde, wo wir eine Künstlerresidenz verbringen. Hier in der Altmark kann ich die Stille høren. Kälber, Kirchglocken und das Bäckerauto kommt immer dienstags um 14 Uhr. Es war eine kleine Odyssee, euch diese Post ins Internet zu bringen..von dieser Sorte Outback sprechen wir.

Wir nutzen die Chance hier intensiv, um Worte auf Melodien zu formen, die letzten Stücke für unsere Album zu finalisieren. Das hilft beim Erden: Wege sondieren, eine gesunde Beziehung zu den sozialen Medien aufzubauen, einfach Zeit haben ohne Alltagshustle. Denn die Details entstehen aus dem Klang der Stille. Und sie kann ich fühlen hier im idyllisch-verschneiten Landhaus.

Seit ich ein Kind war..

Es ist meine Überzeugung wenn ich sage, dass ich nie etwas anderes sein wollte als Sängerin zu sein. Naja, vielleicht wollte ich mit acht mal ein paar Tage lang Archäologin werden, um Dinosaurier auszubuddeln und Knochen abzupinseln. Jetzt ist das Singen meine Arbeit und ich trage dafür gern die Verantwortung. Anzunehmen, was ich bin und das Ausmaß dessen anzuerkennen, waren zwei der prägendsten Mantren meiner ersten Stimmbildnerin. Sie klingen immernoch in mir. Das Label Sängerin habe ich bis dato allerdings mit viel Disziplin getrennt von meiner Privatperson. Seit gravierenden Veränderungen meines Lebens verwischen diese Grenzen zwischen Bizness und Privatem zunehmends. Meine sozialen Rollen funktionieren in einem einzigen komplexen Organismus. In mir. Es tut gut, alle Facetten zuzulassen.
So wie die Urbanen Chansons sich formen aus verschiedenen Einflüssen, sind sie am Ende eins und bedingen sich. Oft rekontextualisieren wir in ihrer Entstehung fremde Poesie und Musik, um unsere eigenen Impressionen zu verarbeiten. Um euch mehr teilhaben zu lassen, gibt es dazu auf Spotify nun eine Playlist mit den Stücken, die uns während der EP-Produktion begleiteten - einen Blick hinter den Vorhang.

Die subtile Kunst des 'drauf Scheißens'

Auf der Heizung in Neukølln.

Musik entsteht aus der Stille. Dort kann ich meine Träume besser hören. In der Ausgabe 'Stimme aus dem Niemandsland' stelle ich an diesem Punkt fest: meine Erinnerungen sind weitgehend verblasst. Wann hielt ich das letzte Mal den Stift zum Textschreiben in der Hand? Erykah Badu hat sinngemäß in einem Interview um die Jahrtausendwende mal gesagt: Schreibblockaden gibt es nicht. Wohl aber gäbe es Zeiten, in denen es einfach nichts zu berichten gibt. Meinerseits sind einige Wochen vergangen ohne Input der mich kickt.
Dann traf ich auf jemanden, der überzeugt war das Gefühl Neid in sich selbst nicht zu kennen. Das hat mich beeindruckt und zum Denken angeregt, denn mir ist er sehr wohl bekannt. Nach einigen Recherchen fand ich heraus, dass
Neid einem Mix aus Wut und Traurigkeit entstammt. Er entspringt einem Grundgefühl von Ungerechtigkeit.
Als Kind habe ich so geweint weil das letzte Einhorn so ungerecht behandelt wurde...ich spüre meinen loyalen Puls steigen wenn meinen Freunden oder mir selbst Unrecht wiederfährt. Jetzt tauchen wir tiefer und tiefer in den Sog der sozialen Medien. Puh, es ist schwer Entscheidungen im Umgang mit ihnen zu finden. Eine harte Prüfung sich dem zu zu wenden ohne je neidisch zu sein. Es bedeutet zu liken bis der Arzt kommt und 'den Markt' genau abchecken.
Die Diskrepanz dazwischen, sich inspirieren zu lassen und bei sich zu bleiben, zeitgleich transparent für die Gefolgschaft zu sein und wiederum dieser aktiv mit Herzen und Kommentaren zu folgen, empfinde ich als höchst komplexe Aufgabe an meine schöpferische Intelligenz. Kollegen sprechen davon, dass Instagram ein Ideen- und Inspirationstool sei. Stimmt auch. Aber wie stark/durchlässig soll ich lernen dafür zu sein? Wieviel Ablenkung tut Not? Es erfordert einen høchkonzentrierten Wachheitsgrad um als Künstler seine eigene PR zu managen. Oh my my.

Ich werde mich nicht beschweren, stattdessen möchte ich hierdurch den Verständnisgrad erhöhen für jemanden der unsere Materie nicht kennt. Fair enough. Für die Denker und Grübler folgt hierzu meine Literatur-Empfehlung entdeckt bei Alicia Keys' Bruder: "The subtle art of not giving a fuck - a counterintuitive approach to living a good life" von Mark Manson. Der Titel spricht für sich und dessen Inhalt nährt.

Jetzt ziehe ich mich zurück und geniesse den Schnee von innen am Kamin. Wir hören uns bald, es geht uns gut und ich geniesse jeden Moment. Ganz bestimmt.

Mit Grüßen vom Richard sende ich Wärme, enchanté Marie Antoinette.

Vienau by Ed Tadevossyan